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Forschung in der AG GeobotanikDie Geobotanik erforscht als Teildisziplin der Botanik die Pflanzendecke der Erde. In der Erlanger Arbeitsgruppe liegt der Forschungsschwerpunkt auf der Vegetationsökologie. Sie untersucht das Zusammenleben der Pflanzen in Pflanzengesellschaften, ihre räumliche Verteilung und die kausalökologischen Wechselwirkungen. Daneben tragen Fragestellungen zur Systematik und Verbreitung der Pflanzenarten zur Erfassung der Biodiversität bestimmter Regionen bei. Pflanzengesellschaften sind als Ergebnis oft langandauernder biotischer und abiotischer Prozesse zu sehen und stellen sehr aussagekräftige Bioindikatoren dar. Die Vegetation als Summe aller Pflanzengesellschaften eines Gebietes spiegelt sämtliche am Standort wirkende Umwelteinflüsse wider und ist entscheidendes Element terrestrischer Ökosysteme. Die Vegetationsökologie nimmt somit eine Schlüsselstellung zur Klärung von Fragen zu Vorkommen, Gliederung, Entwicklung und Erhaltung der Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren ein. Der Betrachtungswinkel reicht dabei von einzelnen Pflanzenbeständen bis zu komplexen Ökosystemen unter Berücksichtigung anthropogener und globaler Einflüsse. Im Zentrum der Lehre wie auch der Forschung steht die Arbeit im Gelände (Feldforschung). Hier werden Fragen der Vegetationsökologie im Rahmen von Exkursionen und Praktika direkt vor Ort aufgezeigt und ihre Problematik vertieft. Im Rahmen von Diplom-, Staatsexamens- und Doktorarbeiten können relevante Aspekte weiter bearbeitet werden. Wesentliche Forschungsinhalte sind die Ermittlung und Dokumentation der Vegetationseinheiten und die Analyse der Zusammenhänge zwischen aktueller Vegetation und potentieller natürlicher Vegetation (PNV). Hierbei kommen sowohl Methoden der Pflanzensoziologie als auch multivariate Analysen zur Anwendung. Die Erhebung weiterer Umwelt- und Strukturdaten sowie die Verwendung von Datenbanken erlauben eine Verknüpfung von floristischen mit standortkundlichen Parametern aus den Bereichen Geologie, Klimatologie und Zoologie. Solche interdisziplinären Ansätze finden sich bei den meisten der zur Zeit laufenden Untersuchungen, insbesondere im Rahmen des mit der Universität Univille in Joinville (Santa Catarina/Südbrasilien) durchgeführten Projekts „Babitonga 2000“, bei dem von Seiten der Erlanger Geobotanik die Biodiversität und Vegetationsdynamik der atlantischen Küstenregenwälder bei Vila da Glória untersucht werden. Ein traditionelles Arbeitsfeld der Erlanger Geobotanik ist auch die Erforschung der Vegetation im Mittelmeergebiet einschließlich der Kanarischen Inseln. Aus der langjährigen Bearbeitung dieses Themenkreises ist u. a. die erste vollständige Exkursionsflora für die Kanarischen Inseln entstanden. Die übrigen Projekte werden im nordbayerischen Raum durchgeführt: Kurz vor dem Abschluss steht die langjährige Bearbeitung der Flora des Regnitzgebietes. Sie liefert Verteilungsmuster sämtlicher Pflanzenarten Nordbayerns und wird unter Verwendung von Geoinformationssystemen und verschiedener Datenbanken Rückschlüsse auf Standortbedingungen und Wandlungsprozesse (global change) zulassen. Ein weiteres Projekt ist unter dem Stichwort „Quellenforschung“ angesiedelt. Die Organismen in Quellbiotopen reagieren unterschiedlich fein auf Veränderungen in ihrer Umwelt und stellen daher ein über längere Zeiten und größere Räume integrierendes, fein abgestuftes Meßsystem für den Zustand unseres Grundwassers dar. Damit sind günstige Voraussetzungen für ein biologisches Umweltmonitoring gegeben. In Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und dem Umweltforschungszentrum (UFZ) in Leipzig-Halle besteht ein Forschungsschwerpunkt „Sandlebensräume“, in dem vor allem die Rolle von Bodenstörungen als ökologischer Faktor für die Vegetationsdynamik und autökologische Fragen bezüglich bestimmter Leitarten untersucht werden. Ziel der Freilandexperimente und populationsbiologischen Studien ist einerseits die Gewinnung von Erkenntnissen über die kausalen Hintergründe der entscheidenden Musterbildungsprozesse, andererseits sollen konkrete Handlungsanweisungen für die Pflege und den Erhalt von Sandökosystemen resultieren, da offene Sandlebensräume zu den am meisten gefährdeten Lebensgemeinschaften ganz Bayerns gehören. Wie bei den meisten anderen Projekten der Erlanger Geobotanik – weitere beschäftigen sich mit den Indikatoreigenschaften anthropogener Vegetation und der Synsystematik von Wald- und Ersatzgesellschaften - spielen auch hier naturschutzfachliche und ganzheitliche Aspekte eine wichtige Rolle. Durch die Einbindung in das bezirksübergreifende Naturschutzprojekt „SandAchse Franken“ kommen diese Grundlagenforschungen hohen Anwendungsbezug. Eine umfangreiche, im Rahmen der Lehre vermittelte Formenkenntnis ist Basis für kompetente Aussagen zur Funktion von Ökosystemen und zur Biodiversität. |