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Das Herbarium Erlangense


Mit dem Herbarium Erlangense steht der botanischen Fachwelt und allen Interessierten weltweit eines der fünfzehn größten Herbarien Deutschlands zur Verfügung. Es ist unter der Abkürzung ER im internationalen Index Herbariorum verzeichnet. Kern der Sammlung ist das KOCH-Herbar mit ca. 140.000 Belegen aus aller Welt. Dazu kommen eine umfangreiche Kryptogamen-Sammlung und verschiedene Aufsammlungen aus Nordbayern (u.a. HELLER-Herbar), dem Mittelmeerraum und von den Kanarischen Inseln, die weiter fortgeführt und in einer elektronischen Datenbank erfasst werden.

Seit Ostern 2008 können die ersten Daten der sich im Aufbau befindlichen relationalen Datenbank des Herbars der FA Universität Erlangen-Nürnberg (Herbarium Erlangense) online eingesehen werden:

http://www.herbarium-erlangense.nat.uni-erlangen.de/datenbank.shtml

Begonnen wurde mit Herbarbelegen der Kanarensammlung.


Anleitung zum Anlegen eines Herbars

Pressen

Von Liebhabern oftmals unterschätzt ist die Bedeutung der Arbeitsgänge Einlegen, Pressen, Trocknen und Aufkleben für die Herstellung eines haltbaren und auch ästhetisch ansprechenden Herbarbeleges. Die von WEBER in den GFR 1977/4, S.85-88 veröffentlichte und hier auszugsweise und verändert wiedergegebenen Methode des Pressens und Trocknens hat sich vielfach bewährt und kann uneingeschränkt empfohlen werden. Abänderungen in Einzelheiten (andere Wärmequelle, andere Aufstellung, mit Schnallen stufenlos verstellbare Textilriemen, Zeitungen statt Zeitungspapier und Filzpappe usw.) können sich individuell verschieden durchaus bewähren:


Material für die Pflanzenpresse:

1. Dünnes Papier (Seidenpapier) zum Umschlag gefaltet.
2. Filzpappe (sonst als Unterlage für Linoleum verwendet); noch saugfähiger ist Saugpappe, die in Luftbefeuchtern an Zentralheizungen verwendet wird. (42,5 x 29,5 cm)
3. Wellpappe mit beiderseits flacher, saugfähiger Abdeckung. Die Riefen müssen quer zur Längsachse verlaufen. Wie die beiden vorhergehenden auf gewünschtes Format zugeschnitten im Papier- bzw. Kartonagengroßhandel erhältlich.
4. 2 Sperrholzplatten (Stärke 10 mm; 44 x 31 cm)
5. 2 Kofferriemen.

Seidenpapier, Filzpappe und Wellpappe sind im Format gleich, die Sperrholzplatten sollten nach allein Seiten mindestens 1 cm überstehen.
Pflanzenpresse

Aufstellung der Pflanzenpresse  Material für Aufstellung und Wärmezufuhr:

1. einfache Keramiklampenfassung, die auf den Boden gestellt werden kann, mit Zuleitung (Verlängerungskabel) und Stecker.
2. Elstein-Infrarotstrahler 100 Watt (keine höhere Leistung!). Der Strahler gibt kein sichtbares Licht ab und erhöht auch bei ständigem Betrieb die Raumtemperatur kaum, so daß er überall eingesetzt werden kann.
3. Campinghocker ohne Lehne (zusammenlegbar).

Aus der Abb. 1 geht hervor, in welcher Reihenfolge Filzpappe, Wellpappe und Seidenpapier mit den zu herbarisierenden Pflanzen in der Presse angeordnet werden. Etwa 50 "Lagen" können in einer Presse untergebracht werden. Die fest verschnürte Presse wird nach dem Einlegen so auf den umgedrehten Campinghocker gestellt, daß die Luftkanäle der Wellpappe senkrecht stehen (Abb. 2). Auf die dem Boden anliegende Sitzfläche des Campinghockers wird der Elstein-Strahler gestellt.


Aufbewahren

Zum Aufbewahren und besonders zum Versenden bindet man die Herbarbögen zu Faszikeln zusammen. Als Faszikeldeckel dient 2 mm dicker, steifer Karton, den man sich rundum mindestens 1 cm breiter als das Format der verwendeten Herbarbögen zuschneiden läßt. Durch seitlich angebrachte Schlitze, die man sich beim Papierhändler oder in einer Sattlerei stanzen läßt, oder durch entsprechende groß gebohrte Löcher werden die Bänder gezogen, die den Faszikel zusammenhalten (Abb. 3). So zusammengebundenes Herbarmaterial übersteht, entsprechend gepolstert, auch einen vollmechanisierten Postversand ohne Beschädigung, wenn die Bögen im Faszikel nicht höher als ihre halbe Breite gestapelt sind.Zusammengehörige Pflanzen (Gattung, Art), kommen zum Aufbewahren in einen gemeinsamen Umschlag. Bewährt hat sich dafür das Material der Herbarbögen, das man sich so zuschneiden läßt, daß die gefalteten Umschläge 1 bis 1,5 cm breiter sind als die Herbarbögen. Zum Schutz gegen Insektenfraß sollte man die Faszikel in möglichst insektendichten Schränken aufbewahren und gelegentlich begiften. Für Liebhaberzwecke reicht dazu ein Besprühen mit einem handelsüblichen Insektizid (Flip, Vapona o.ä.).

Faszikel

Revidierung

Zur Überprüfung an die Regionalstelle, die die kritischen Sippen an die jeweiligen Bearbeiter weiterleitet, sind generell nur Doubletten, selbstverständlich etikettiert, einzusenden, die beim Revidierenden verbleiben können. Hier ist besonders darauf zu achten, daß nicht unansehnliche und unbrauchbare Fragmente, sondern so weit als möglich optimale Belege versendet werden! Durch den Versand von Doubletten wird einmal eine wünschenswerte Verminderung des Aufwandes erreicht, da dem Sammler (durch Angabe der jeweiligen Sammelnummer) leicht per Post das Bestimmungsergebnis mitgeteilt werden kann, nicht nur für die Doublette, sondern auch für den bei ihm verbliebenen Teil der Aufsammlung, der natürlich mit dem versendeten Übereinstimmen muß. Zum anderen hoffen wir, in den Museen und Herbarien wenigstens teilweise den empfindlichen Materialmangel gerade bei vielen kritischen Sippen und vor allem die derzeit absolut ungenügende Verteilung der Herkünfte auf sehr wenige, immer wieder besammelte Gebiete verbessern zu können.