I Z

Die Entwicklung eines Schmetterlings
Ei • Raupe • Puppe • Schmetterling

Die Schmetterlinge, die wir tagsüber auf den Wiesen oder nachts um die Straßenlaternen fliegen sehen, haben eine lange, aufwändige und äußerst komplizierte Entwicklung hinter sich. Die Phase, in der sie als Schmetterling umherfliegen, ist nämlich der letzte Schritt eines langen Entwicklungsprozesses. Der Sinn dieses letzten Schrittes ist die geschlechtliche Fortpflanzung und die Produktion einer möglichst zahlreichen Nachkommenschaft. Im Vergleich zu den vorangegangenen Entwicklungsschritten ist diese letzte "Schmetterlingsphase" aber oft relativ kurz. Bei manchen Arten ist sie so stark auf die Fortpflanzung reduziert, dass die Tiere während dieser Phase praktisch keine Nahrung mehr aufnehmen.

Die Entwicklung eines Schmetterlings beginnt mit dem Schlüpfen einer kleinen Raupe (oft auch als Larve bezeichnet) aus dem Ei. Der "Mutterschmetterling" hat vorher die Eier manchmal einzeln, oft aber in Gelegen aus vielen Eiern direkt auf oder unter die Blätter ausgesuchter Pflanzen gelegt, die dem jungen Räupchen dann sofort als Nahrung dienen.


Beispiele für das verschiedenartige Aussehen von Raupen:
Bilder aus M. Koch: Wir bestimmen Schmetterlinge

Die geschlüpften Räupchen können ein in jeder Hinsicht äußerst verschiedenartiges Aussehen haben: bunt oder einfarbig, mit Punkten oder Streifen, glatt, mit Borsten, Haaren oder Dornen, mit einem Horm am Hinterende oder einfach völlig bizarr. Wie auch immer sie aussehen, sie entwicklen alle einen enormen Appetit und wachsen relativ schnell. Durch dieses rasche Wachstum ergibt sich für sie jedoch ein Problem. Schmetterlingsraupen besitzen nämlich - ebenso wie alle anderen Insekten - ein sogenanntes Außenskelett. Im Gegensatz zu den Knochen der Säugetiere, die im Inneren des Körpers liegen (daher auch Innenskelett) umgibt dieses Außenskelett den Körper der Raupen wie eine starre Haut. Das Material dieses Skeletts ist auch nicht Kalk wie bei den Säugern, sondern eine besondere Substanz, die man als Chitin bezeichnet.

Durch dieses starre Außenskelett, das auch als Chitinpanzer bezeichnet wird, stößt das Wachstum der Raupen relativ bald an seine Grenzen. Will die Raupe weiterwachsen, so muß sie diesen Panzer verlassen und sich eine neue Chitinhaut zulegen. Das ist die einzige Möglichkeit, wie eine Schmetterlingsraupe wachsen kann, und sie muß deshalb mehrmals in ihrem Leben die Haut wechseln, man sagt auch sich häuten.

Hat eine Raupe nach mehreren Häutungen ihre endgültige Größe erreicht, kommt der komplizierteste Schritt der Entwicklung: Die Umwandlung einer kriechenden, blätterfressenden Raupe in einen Schmetterling, der fliegen kann und sich von Blütennektar ernährt. Um diesen komplizierten Umwandlungsschritt in Ruhe durchführen zu können, muß die Raupe noch ein letztes Mal ihre Haut wechseln. Bei dieser letzten Häutung schlüpft aus der alten Haut jedoch keine neue Raupe mehr, sondern etwas, das zwar noch eine ähnliche Form hat, aber doch ganz anders aussieht, da es keine Beine mehr besitzt und meist einen wesentlich stabileren und härteren Chitinpanzer hat: Das ist die Puppe.

Innerhalb dieser Puppe läuft nun ein Vorgang ab, der auch heute noch nicht vollständig verstanden ist: die Metamorphose. Dieser Begriff stammt von dem griechischen Wort metamorphiosis (sprich: metamorphosis), und bedeutet Umwandlung oder auch Umgestaltung, und versinnbildlicht den vollständigen "Umbau" aller Bestandteile der ehemaligen Raupe in einen Schmetterling.


Erdpuppen:

Kokons:

Bilder aus M. Koch: Wir bestimmen Schmetterlinge

Die Puppen verschiedener Schmetterlingsarten können sich nicht nur in ihrem Aussehen enorm unterscheiden. Die Raupen (= Larven) vieler Arten (z.B. der Schwärmer / Sphingiden) verpuppen sich in der Erde, weshalb auch die Puppen dieser Arten nur in der Erde zu finden sind. Die Raupen der verschiedenen Spinnerarten (z.B. der Pfauenspinner / Saturniiden oder der Glucken / Lasiocampiden) umgeben sich vor der Verpuppung mit einem Gespinst (daher der Name Spinner), das oft zu einem festen Kokon versponnen wird, und in dem sie sich dann verpuppen. Derart eingesponnene Puppen findet man in oder an der Erde, zwischen Blättern, an Ästen und Zweigen oder in Rindenspalten.

Auch die Raupen vieler Tagfalter verpuppen sich an Zweigen, Blättern, Ästen, Latten, Steinen etc.. Bei einigen Arten (z.B. den Edelfaltern / Nymphaliden) erfolgt diese Verpuppung an der Unterseite von Ästen oder Blättern, wo die Puppen kopfüber nach unten hängen und nur an ihrem Hinterende durch ein kleines Gespinst an der Unterlage befestigt sind (sog. Stürzpuppen). Bei anderen Arten (z.B. den Weißlingen / Pieriden und einigen Ritterfaltern / Papilioniden) erfolgt die Verpuppung seitlich an Blütenstielen oder Ästchen, wo die Puppen mit ihrem Hinterende auf einem kleinen Gespinstkissen "stehen" und durch einen Gespinstfaden um die Brust an der Unterlage befestigt sind (sog. Gürtelpuppen).


Gürtelpuppen:

Stürzpuppen:

Bilder aus M. Koch: Wir bestimmen Schmetterlinge

All diese Puppen stellen sozusagen die Übergangsformen von der Raupe zum jeweiligen Schmetterling dar. In ihrem Inneren erfolgt die Umwandlung und, wenn diese abgeschlossen ist, platzt die Puppenhülle und aus ihr schlüpft ein anfangs wenig ansehnlicher Schmetterling mit feuchten, verknautschten Flügeln. Aber schon nach wenigen Minuten, wenn diese Flügel entfaltet und ausgehärtet sind, kann sich der neue Schmetterling in die Lüfte erheben und seiner einzigen Bestimmung nachkommen - der Suche nach einem Schmetterling des anderen Geschlechts für die erneute Produktion von Nachkommen.


.