B. Morphologie der Spermatophyta

1. Typischer Aufbau einer Blütenpflanze



2. Für die Bestimmung notwendige botanische Grundbegriffe


2.1 Der Spross

Sproß = Sproßachse und Blätter

Nodien = Ansatzstellen von Blättern und Seitensprossen

Internodien = Bereiche zwischen den Nodien


Sonderbildungen an Sproßachsen und Blättern

Haare: nur aus der Oberhaut gebildete Auswüchse (z. B. Salbei)

Stacheln: nur aus der Oberhaut und Rindengewebe bestehende, daher nie von Nerven (Gefäßbündeln) durchzogene, harte, starre, stechend-spitze Gebilde, z. B. an Stengeln (Rose) oder Blättern (Brombeere)

Dornen: aus Oberhaut, Rindengewebe und dem Holzkörper bestehende, daher stets von Nerven durchzogene, harte, starre, stechend-spitze Gebilde verschiedenen Ursprungs: blattlose Kurzsprosse (Weißdorn), Spitzen beblätterter Seitensprosse (Schlehe), umgewandelte Blätter (Berberitze)


2.2 Das Laubblatt



Blattstiel: Träger der Blattspreite

Blattgrund: Ansatzstelle des Blattes an der Sproßachse

Spezielle Organe des Blattgrundes:

Blattscheide: oft rinnenförmige Erweiterung und Verlängerung des Blattgrundes

Nebenblätter: paarweise vorkommende, sehr oft blattähnliche Bildungen des Blattgrundes



Blattspreite: Assimilationsfläche

Typen von Blattspreiten:

einfaches Blatt: Spreite aus einer Fläche, wenigstens am Grund zusammenhängend

zusammengesetztes Blatt: Spreite aus mehreren, völlig voneinander getrennten
Teilen bestehend, d. h. mehrere Teilblättchen, die
einem gemeinsamen Blattstiel ansitzen, z. B. gefiederte
Blätter der Fabaceen


2.3 Die Blüte

Definition: Blüten sind im Wachstum begrenzte (meist) gestauchte Sprosse im Dienst der Fortpflanzung mit entsprechend umgebildeten Blättern; Blüte = Blütenachse (Blütenboden) und Blattorgane


Kelch (Sepalen) und Kronblätter (Petalen) bilden zusammen die Blütenhülle (Perianth); bei Gleichgestaltung von Sepalen und Petalen spricht man von Tepalen, die Blütenhülle wird dann Perigon genannt.


a) Kelchblätter (K) (Sepalen) bilden den Kelch (Calyx)

äußere, meist derbere und grüne Blütenhüllblätter



b) Kronblätter (C) (Petalen) bilden die Krone (Corolle)

nach innen folgende, meist zartere und auffallend gefärbte Blütenhüllblätter


c) Staubblätter (Stamina) bilden das Androeceum (A)

Bildung von männlichen Fortpflanzungszellen (Pollen)

Aufbau eines Staubblattes:

- Filament: = Staubfaden; stielartiger Abschnitt, dem die Antheren aufsitzen

- Anthere: = Staubbeutel; bestehend aus 2 Hälften (den Theken), die durch ein steriles Mittelstück (Konnektiv) miteinander verbunden sind; jede Theka enthält 2 Pollensäcke, in denen die Pollenkörner gebildet werden.


d) Fruchtblätter (Karpellen) bilden das Gynoeceum (G); sie tragen die Samenanlagen. Das Fruchtblatt oder die Fruchblätter verwachsen mit ihren Rändern zu einem bis mehreren geschlossenen, die Samenanlage(n) bedeckenden Gehäuse = Stempel (Bedecktsamer)

Aufbau des Stempels (= Pistill):

- Fruchtknoten: unterer verdickter Abschnitt; enthält die Samenanlage(n)

- Griffel: stielartiger Abschnitt zwischen Fruchtknoten und Narbe

- Narbe: oberer, klebriger und meist papillöser Teil des Stempels; dient

dem Auffangen und Keimen des Pollens



Bau des Gynoeceums:


monokarp: in jeder Blüte ein Stempel aus einem Fruchtblatt (z. B. Kirsche)

apokarp (chorikarp): 2 bis viele Stempel und jeder aus einem Fruchtblatt (Hahnenfuß)

coenokarp: in jeder Blüte ein Stempel aus 2 bis vielen miteinander verwachsenen Fruchtblättern (Tulpe)

Stellung des Gynoeceums:

oberständiger Fruchtknoten: die übrigen Blütenblätter setzen unterhalb des Fruchtknotens an (z. B. Mohn, Tulpe)

unterständiger Fruchtknoten: die übrigen Blütenblätter setzen oberhalb des Fruchtknotens an (z. B. Glockenblume, Schneeglöckchen)

mittelständiger Fruchtknoten: die übrigen Blütenblätter sitzen am oberen Rand einer den Fruchtknoten einhüllenden, aber nicht mit ihm verwachsenen Blütenachse (z. B. Mandel, Kirsche, Schlehe)



Sonderbildungen an Blüten:

Honigblätter: kronblattartige Staubblätter mit Honigdrüsen (Nektarien) (z.B. Hahnenfuß)

Diskus: ring- oder scheibenförmige Nektarien an Blütenblättern (z.B. Doldenblütler)


Blütensymmetrie

radiärsymmetrisch: Blüte besitzt viele Symmetrieebenen, die die Blüte in je zwei spiegelbildliche Hälften teilen (z B. Hahnenfuß)

bilateral symmetrisch: Blüte besitzt zwei Symmetrieebenen (Brassicaceae)

dorsiventral (zygomorph): Blüte mit nur einer Symmetrieebene (Fabaceae)

asymmetrisch: ohne Symmetrieebenen (Baldrian)



Blütendiagramm und Blütenformel:


Das Blütendiagramm wird oft verwendet, um auf eine einheitliche Weisen den Blütenbau verschiedener Pflanzengruppen zu illustrieren. Im Diagramm sind die Blütenorgane mit Symbolen in ihrer richtigen Stellung zueinander auf eine Ebene projiziert. Die Ebene A - A’ ist die Mediane, die Ebene B - B’ die Transversale.


Die Blütenformel gibt die Stellungsverhältnisse, die Verwachsung und die Zahl der Blütenorgane an. Es bedeuten:

* radiärsymmetrisch

+ bisymmetrisch

¯ zygomorph

P Perigon

K Kalyx (Kelch)

C Corolle (Krone)

A Androeceum

2st Umwandlung von Staubblättern in Staminodien

G Gynoeceum

() Verwachsungen gleichartiger Blütenglieder

[] Verwachsungen verschiedenartiger Blütenglieder

¥ viele

Fruchtknotenstellung z. B. G 5 oberständig

G 5 mittelständig

G`5 unterständig

Blütenformel zum obenstehenden Blütendiagramm: * K (5) C 5 A 5+5 G (3)

2.4 Der Blütenstand

Treten mehrere oder viele Blüten an einer einfachen oder verzweigten Sproßachse auf, spricht man von einem Blütenstand oder Infloreszenz.


Überblick über verschiedene Blütenstände:

Ähre: mit ungestielten Blüten, die längs einer Hauptachse sitzen (Wegerich)

Kolben: Ähre mit dicker, fleischiger Hauptachse und dichtstehenden kleinen Blüten (Mais)

Traube: mit unverzweigten Blütenstielen, die längs einer Hauptachse entspricht (Johannisbeere)

Wickel: Blütenstand mit einer Endblüte, die zuerst aufblüht, unter der in Einzahl Seitenachsen entspringen, welche die Hauptachse übergipfeln und sich in

gleicher Weise verzweigen

Rispe: mit verzweigten, mehrblütigen Seitenachsen

Dolde: mit von einem Punkt entspringenden, einblütigen Seitenachsen (Schlüsselblume)

Doppeldolde: Dolde, bei der jede Seitenachse wiederum eine kleinere Dolde (Döldchen) trägt (Apiaceae)

Dichasium: in der Achsel von jedem von 2 gegenständigen Vorblättern entspringt eine Seitenblüte

Doldentraube: Sonderform der Traube mit verkürzten Internodien, den Eindruck einer Dolde vermittelnd

Doldenrispe: Sonderform der Rispe, bei der die Blüten in einer Ebene stehen, den Eindruck einer Dolde vermittelnd (Trugdolde) (Schafgarbe)

Kopf (Köpfchen): mit ungestielten Blüten, die einer kegel- oder scheibenförmigen Blütenstandsachse sehr dicht gedrängt aufsitzen; häufig von einer Hülle aus Hochblättern umgeben, dann als Korb bezeichnet (Asteraceae /

Dipsacaceae)

Scheinblüte: =Pseudanthium; Blütenstand, der das Aussehen einer Einzelblüte hat (z.B. Korb der Asteraceae)

2.5 Die Früchte

Frucht: Gesamtheit derjenigen aus einer Blüte hervorgehenden Organe, welche die (oder den) Samen bis zur Reife umschließen und dann deren Verbreitung dienen, indem sie sie entweder ausstreuen oder mit ihnen von der Pflanze abgetrennt und verbreitet werden.

Scheinfrucht: Frucht, an deren Bildung außer dem Fruchtknoten auch noch andere Organe ,z. B. Achsengewebe, beteiligt sind, die mit ihm eine Verbreitungseinheit bilden

(z. B. Apfel, Erdbeere).

Fruchtblätter (Karpellen) bilden den Fruchtknoten, der die Samenanlagen einhüllt; bei der Wandlung der Fruchtknotenwand zur Fruchtwand (Perikarp) treten Veränderungen auf. Die Fruchtwand gliedert sich in:

Exokarp (außen); meist einschichtig

Mesokarp (dazwischenliegend); mehrschichtig

Endokarp (innen); meist einschichtig

Einteilung der Früchte

2.5.1 Einzelfrüchte: aus einem einzigen Fruchtknoten hervorgegangen, entstehen nur aus Karpellen, andere Blütenteile sind nicht beteiligt.

2.5.1.1 Schließfrüchte: geschlossen abfallend; die Fruchtwand öffnet sich bei der Reife nicht, die Einteilung erfolgt nach der unterschiedlichen Ausbildung des Perikarps.

a) Beere: Das Perikarp wird bei der Reife in allen seinen Teilen fleischig (Tollkirsche, Heidelbeere, Tomate).

b) Steinfrucht: Das Perikarp differenziert sich bei Reife in einen inneren Steinkern und einen äußeren Teil, der entweder fleischig-saftig (Pflaume, Kirsche) oder ledrig-faserig (Walnuß) wird.

c) Nuß: Das gesamte Perikarp wird zu einem harten Gehäuse aus sklerenchymatischen Steinzellen, das meist nur einen Samen umschließt (Haselnuß, Buchecker).

Sonderformen der Nußfrüchte:

Achäne: Die Fruchtwand ist mit der Schale des einzigen Samens verwachsen, der Fruchtknoten ist unterständig (Asteraceae).

Karyopse: Die Fruchtwand ist mit der Schale des einzigen Samens verwachsen, der Fruchtknoten ist oberständig (Poaceae).


2.5.1.2. Zerfallfrüchte: Mehrfächrige Früchte, die bei der Reife in mehrere, meist einsamige und geschlossen bleibende Verbreitungseinheiten (Teilfrüchte) zerfallen.

a) Spaltfrucht: zerfällt bei der Reife durch Spaltung echter Scheidewände in mehrere Verbreitungseinheiten (Teilfrüchte), deren Wandung jeweils einem ganzen Fruchtblatt entspricht (Ahorn, Doppelachänen der Apiaceae).

b) Bruchfrucht: zerfällt bei der Reife durch Spaltung falscher Scheidewände in mehrere Verbreitungseinheiten, deren Wandung daher jeweils nur Teilen eines oder mehrerer Fruchtblätter entspricht. Die Fruchtteile sind stets einsamig und bleiben geschlossen.

Gliederhülse: aus einem Fruchtblatt gebildet, quer in Glieder zerfallend (bunte Kronwicke)

Gliederschote: aus 2 oder 4 Fruchtblättern gebildet, quer in Glieder zerfallend (Hederich)

Klausenfrucht: durch Spaltung echter und falscher Scheidewände längs zerfallend; die Verbrei­tungseinheiten (Klausen) gehen aus einem Fruchtknoten hervor (Lamiceae)


2.5.1.3 Springfrüchte: = Streufrüchte; die Fruchtwand öffnet sich bei der Reife und entläßt die Samen.

a) Balgfrucht: entsteht aus einem Fruchtblatt, Öffnung bei der Reife ventrizid (an der Bauchnaht) (Feld-Rittersporn, Sternanis)

b) Hülse: entsteht aus einem Fruchtblatt, Öffnung bei der Reife ventrizid und dorsizid (an der Rückennaht) (Fabaceae) (Bauchnaht = Ventralnaht: Verwachsungsnaht der Fruchtblätter); (Rückennaht = Dorsalnaht: in ihr verläuft der Hauptnerv (Medianus) des Karpells

c) Kapsel: aus 2 oder mehreren Fruchtblättern gebildet, entweder ungefächert oder durch echte oder falsche Scheidewände gefächert.

d) Schote: entsteht aus 2 Fruchtblättern, entweder ohne Scheide­wand oder mit meist falscher Scheidewand (Brassicaceae). Beim Schötchen beträgt die Länge nicht mehr als die 2 - 3fache Breite.

2.5.2 Sammelfrüchte: Bei Blüten mit mehreren Fruchtknoten die Gesamtheit der aus einer Blüte hervorgegangenen Teilfrüchte (= Früchtchen). Oft bleiben die Früchtchen bis zur Reife getrennt und werden auch einzeln verbreitet; bisweilen sind jedoch die Früchtchen über Achsengewebe der Blüte oder infolge postgenitaler Verwachsungen zu einer Verbreitungseinheit verbunden.

2.5.2.1 Sammelnußfrüchte: die einzelnen Fruchtblätter werden bei der Reife zu Nüßchen (Erdbeere, Hagebutte)

2.5.2.2 Sammelsteinfrüchte: die einzelnen Fruchtblätter entwickeln sich zu Steinfrüchten (Himbeere, Brombeere)

2.5.2.3. Sammelbalgfrüchte: die Fruchtblätter werden pergamentartig und verwachsen mit der sich fleischig entwickelnden Fruchtachse (Apfel)



2.5.3 Fruchtstände: Ganze Fruchtstände (d. h. Blütenstände zur Zeit der Samenreife) werden zu einer einzelfruchtähnlichen Verbreitungseinheit (Feige, Ananas).